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1. Sonntag nach Epiphanias

Podcast-Audio-Gottesdienst (Dauer 25min)

1. Sonntag nach Epiphanias

„Danke“ an Yvette Schmidt für die musikalische Gestaltung und an Joachim Voesch für Lesung und technische Umsetzung

sagt  Pastor M. Schlenzka

 

Musik. Vorspiel : Aria detto Balletto v. Girolamo Frescobaldi

 

Choral: Der Morgenstern ist aufgedrungen

1. Der Morgenstern ist aufgedrungen,

er leucht’ daher zu dieser Stunde

hoch über Berg und tiefe Tal,

vor Freud singt uns der lieben Engel Schar.

2. »Wacht auf«, singt uns der Wächter Stimme

vor Freuden auf der hohen Zinne:

»Wacht auf zu dieser Freudenzeit!

Der Bräut’gam kommt, nun machet euch bereit!«

3. Christus im Himmel wohl bedachte,

wie er uns reich und selig machte

und wieder brächt ins Paradies,

darum er Gottes Himmel gar verließ.

4. O heilger Morgenstern, wir preisen

dich heute hoch mit frohen Weisen;

du leuchtest vielen nah und fern,

so leucht auch uns, Herr Christ, du Morgenstern!

 

Lesung

Der Text, der dieser Predigt zugrunde liegt, handelt von der Ankunft des Volkes Israel im Gelobten Land. Nach 40 Jahren Wüstenwanderung waren sie angekommen am Jordan, dem Grenzfluss, der das Volk trennte vom diesem versprochenen Land.

5 Und Josua sprach zum Volk: Heiligt euch, denn morgen wird der HERR Wunder unter euch tun.

6 Und zu den Priestern sprach er: Hebt die Bundeslade auf und geht vor dem Volk her! Da hoben sie die Bundeslade auf und gingen vor dem Volk her.

7 Und der HERR sprach zu Josua: Heute will ich anfangen, dich groß zu machen vor ganz Israel, damit sie wissen: Wie ich mit Mose gewesen bin, so werde ich auch mit dir sein.

8 Und du gebiete den Priestern, die die Bundeslade tragen, und sprich: Wenn ihr an das Wasser des Jordans herankommt, so bleibt im Jordan stehen.

9 Und Josua sprach zu den Israeliten: Herzu! Hört die Worte des HERRN, eures Gottes!

10 Daran sollt ihr merken, dass ein lebendiger Gott unter euch ist und dass er vor euch vertreiben wird die Kanaaniter, die Amoriter und Jebusiter:

11 Siehe, die Lade des Bundes des Herrschers über alle Welt wird vor euch hergehen in den Jordan.

17 Und die Priester, die die Lade des Bundes des HERRN trugen, standen still im Trockenen mitten im Jordan. Und ganz Israel ging auf trockenem Boden hindurch, bis das ganze Volk über den Jordan gekommen war.

 

Predigt

Ihr Lieben, um Josua geht es heute, Josua, den Nachfolger des Moses. Des Moses , der – im Schauen des Gelobten Landes - am Berg Nebo gestorben war. Mose war es aufgetragen, das Volk Israel aus der Sklaverei Ägyptens ins Gelobte Land zu führen, ihm war es aufgetragen, die Hoffnung  des Volkes wachzuhalten auf dem Weg durch die Wüste. Mose war der Mittler zwischen Gott und den Menschen, als diese die Abwesenheit des Mose auf dem Berg Sinai nicht mehr aushalten konnten und sich das Goldene Kalb bauten. Er, Mose, war ein Held, sein Name steht für Befreiung, für Hoffnung, für Gottesnähe.

Und dieser charismatische Mann, Mose, war gestorben im Angesicht des Gelobten Landes. Es zu betreten, war ihm nicht gegeben.

Josua war sein Nachfolger: Ein Mensch aus dem Volk, Sohn eines Priesters, zuerst Kundschafter, dann aber immer mehr im Kreis der Moseleute, schließlich von ihm gesegnet und als Nachfolger bestimmt. Diesem Josua war es aufgetragen, nach dem Tod des Mose das Volk Israel nun endlich über den Jordan hinüber in das Land zu führen, das Gott dem Volk versprochen hatte. Das Gelobte Land, das versprochene Land der Väter und Mütter, das Land, in dem Abraham lebte, und Isaak und Jakob, das Land, in dem Sara starb und Rahel, Jakobs Frau, begraben war. Dieses Land lag nun vor ihnen, und Josua sollt das Volk über den Jordan in dieses Land führen. Gott selbst gab ihm den Auftrag.

„ Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“ 

Was für ermutigende Worte!

Der Jordan, der Fluss zwischen Rotem Meer und Totem Meer, dieser Fluss ist seit jeher ein Schicksalsfluss. Er schlängelt sich durch die Geschichte Israels von Anbeginn bis heute. Der Jordan trennt nun das Volk Israel vom versprochenen Land. Durch den Jordan mussten sie, mussten „über den Jordan“ gehen, geführt von Josua.

Und mit ihnen die Bundeslade. Die Lade, die Truhe, in der die Tafeln mit den Geboten Gottes  vom Sinai aufbewahrt wurden. Mose hatte sie gebracht, die Tafeln, auf denen die 10 Gebote Gottes geschrieben standen, als Zeichen des Bundes Gottes mit dem Volk.

Das Volk, dies hatte sich schon während der schier endlosen Wüstenwanderung gezeigt, brauchte immer wieder die Vergewisserung, ein Zeichen dass Gott an ihrer Seite war. So erlebten sie die Wunder der Wüstenwanderung: es dürstete sie, der Tau am Morgen. Sie hatten Hunger, das Manna, das vom Himmel fiel. Sie wussten nicht, wohin:  Die Wolkensäule, die ihnen am Tag vorausging, die Feuersäule in der Nacht.

Und auch diesmal gab es wieder eines dieser Wunder, dieser Zeichen der Nähe und der Macht Gottes:

Und die Priester, die die Lade des Bundes des HERRN trugen, standen still im Trockenen mitten im Jordan. Und ganz Israel ging auf trockenem Boden hindurch, bis das ganze Volk über den Jordan gekommen war.

Und bald waren sie drüben, am anderen Flussufer, angekommen in dem Land, in dem – wie es heißt - Milch und Honig fließen.

Nur: Dieses Land war nicht leer, sondern bewohnt. Und da, Ihr Lieben, wird die Geschichte schwierig, jedenfalls für uns, die wir diesen Text heute hören. Wir können die Geschichte von der Ankunft des Volkes Israel nicht lesen ohne an die aktuellen Konflikte in eben diesem Streifen Land im Nahen Osten erinnert zu werden. Dieser andauernde, quälende Konflikt seit der Staatengründung Israels: Wie ewig in Stein gemeißelt, wie festgeschrieben für die Ewigkeit. Und wie klingen vor diesem Hintergrund die Worte des Josua:

Daran sollt ihr merken, dass ein lebendiger Gott unter euch ist und dass er vor euch vertreiben wird die Kanaaniter, Hetiter, Hiwiter, Perisiter, Girgaschiter, Amoriter und Jebusiter.

Heute sind es die Palästinenser, die in dem Land leben, das das Gelobte Land genannt wurde. Sie sind heute die Vertriebenen. Vertrieben von Menschen jüdischen Glaubens, vertrieben von Menschen, die ihrerseits selbst Opfer eines grauenvollen Vernichtungsfeldzuges waren.

Heute trennen Mauern – real und aus Angst  errichtet –Israel und das Westjordanland, der Gaza-Streifen liegt völlig zerstört wie eine offene Wunde am Meer.  Heute leben die Palästinenser in dem Land, das Israel unter Berufung auf den Alten Bund Gottes mit seinem Volk als sein Stammland betrachtet. Die Konflikte zwischen dem jüdischen und dem palästinensischen Volk sind schlimm, immer wieder entladen sie sich in Attentaten oder Bombenangriffen. Und  sie sind möglicherweise auch ein Grund für den Hass zwischen den Menschen der islamischen, der jüdischen und der christlichen Religion.

Es ist schwer, in diesem Konflikt Partei zu ergreifen, ich kann es nicht: Denn einerseits haben gerade wir Deutschen vor dem Hintergrund des Holocausts  eine besondere Verantwortung gegenüber dem jüdischen Volk: 6 Millionen Jüdinnen und Juden wurden ermordet aufgrund einer unmenschlichen Ideologie. Andererseits sind die Berichte über die Folgen, die die  israelischen Besatzung Heute Hefür die palästinensische Zivilbevölkerung haben, oft schwer zu ertragen.

Menschen, die Israel bereist haben, sagten nach ihrer Rückkehr, sie glaubten nicht, dass sich dieser Konflikt jemals lösen ließe.

„… dass er vor euch vertreiben wird…“ Diese Worte machen nachdenklich. Es gibt keine einfachen Lösungen, es bleibt die Hilflosigkeit und der Auftrag, trotzdem den Blick nicht abzuwenden, sich gegen das Böse zu wehren und nach Gerechtigkeit und Versöhnung zu suchen.

Denn wir alle sind Gottes Geschöpfe. Wir alle, egal wie wir aussehen, welche Sprache wir sprechen, ja, auch egal, an welchen Gott wir glauben, wir alle sind nach Gottes Ebenbild geschaffen. Seine Geschöpfe, die er liebt so wie ein Vater seine Kinder liebhat.

Das Volk Israel lagern am Ufer des Jordan. Das Land, das Gott ihnen versprochen hatte, liegt gegenüber. Trockenen Fußes werden sie durch den Jordan gehen, so wie damals durch das Meer, die Häscher des Pharaos im Rücken. Der Jordan, ein besonderer Fluss, an dem sich immer wieder die Geschichte Gottes mit der Geschichte der Menschen trifft. Tausend Jahre später stand einer in diesem Fluss und ließ sich taufen von Johannes dem Täufer. Jesus, den wir Christen den Christus, den Retter, den Heiland nennen. Er ließ sich taufen. Er hörte die Stimme Gottes: „Du bist mein geliebtes Kind, an dir habe ich Wohlgefallen.“ Er zog aus.  um– im Namen Gottes – Gottes Liebe unter die Menschen zu bringen.

Und auch heute leben Menschen in Israel, die sich an vielen verschiedenen Orten einsetzen für Versöhnung und Frieden unter Jüdinnen und Juden auf der einen, und Palästinenserinnen und Palästinensern auf der anderen Seite. Es ist schwer, und diese Menschen brauchen  einen ach so furchtbar langen Atem. Aber solange es solche  Menschen gibt, solange wird die Sehnsucht nach Frieden  wach gehalten, die Sehnsucht nach einem friedlichen Zusammenleben ohne Bomben und Attentate, ohne Mauern und Stacheldraht.

Dann, wenn dieser Frieden kommt, dann wird das Land an beiden Ufern des Jordan wirklich zum gelobten Land.

AMEN

 

Lied: EG 606 Freunde, dass der Mandelzweig

Freunde, dass der Mandelzweig

wieder blüht und treibt,

ist dass nicht ein Fingerzeig,

dass die Liebe bleibt.

Dass das Leben nicht verging,

so viel Blut auch schreit,

achtet dieses nicht gering,

in der trübsten Zeit.

Tausende zerstampft der Krieg,
eine Welt vergeht.

Doch des Lebens Blütensieg

leicht im Winde weht.

Freunde, dass der Mandelzweig

sich in Blüten wiegt,

bleibe uns ein Fingerzeig,

wie das Leben siegt.

 

Musik. Nachspiel: Allemande von Georg Böhm